Warum ich tue, was ich tue

– Ein fiktives Interview –

Zuweilen werde ich gefragt, warum ich »das« mache. Mit »das« wird das Copywriting für die Ästhetische Chirurgie umschrieben. Diese Frage kommt nie von Künstlerkollegen, aber recht häufig – und mit Verwunderung – von Nicht-Künstlern.

Frage: Künstlerin und Expertin für Verkaufstexte für die Ästhetische Chirurgie. Das klingt wie zwei völlig verschiedene Welten, in denen ich keinen Zusammenhang erkennen kann. Wie passt das zusammen?

 

Susanne Koheil: Künstler setzen sich in irgendeiner Form immer mit der Frage nach der »Ästhetik« auseinander. Das gilt sowohl für eine greifbare Arbeit – wie zum Beispiel Malerei – genauso wie für eine Performance oder etwa Klangkunst. Immer muss ich als Künstlerin entscheiden, wie die Arbeit (so nennen wir ein Kunstwerk) aussehen soll und warum.

 

Frage: Das Warum ist ebenfalls wichtig?

 

Susanne Koheil: Ja, unbedingt. Denn die Ästhetik einer Arbeit muss ganz selbstverständlich in ihrem jeweiligen Zusammenhang erscheinen. Dem Betrachter sollte sich idealerweise sofort mitteilen: So und nicht anders muss es bei dieser Arbeit sein. Alles sollte schlüssig sein. Da sehe ich eine große Übereinstimmung mit der Ästhetischen Chirurgie. Das Ergebnis eines Eingriffs muss ganz zu dem Menschen passen und sich natürlich in sein Erscheinungsbild einfügen. Einem erwachsenen Menschen würde man ja nicht die Nase eines kleinen Kindes verleihen. Da würde sofort das Warum im Raum stehen.

 

Frage: Welche weiteren Verbindungen gibt es zwischen Ihnen als Künstlerin und der Ästhetischen Chirurgie?

 

Susanne Koheil: Ein weiterer Aspekt ist, dass sich Künstler in der Regel intensiv selbst befragen: Wer bin ich? Was tue ich hier? Warum tue ich, was ich tue? Diese Fragen sind elementar für mich als Künstlerin.

 

Frage: Wie sieht das genau aus?

 

Susanne Koheil: Diese intensive Selbstbefragung kann ganz unterschiedlichen Ausdruck finden. Es kommt ganz auf die Person des Künstlers an, ob er oder sie sich als Bildhauer, Maler oder etwa als Performance-Künstler äußert.

 

Frage: Können Sie uns ein Beispiel geben?

 

Susanne Koheil: Künstler wie Marina Abramovic oder Pjotr Pawlenski setzen den eigenen Körper in radikaler Weise für Ihre Kunst ein. Die französische Body-Art-Künstlerin Orlan setzt den eigenen Körper ebenfalls für ihr künstlerischen Ausdruck ein. So ließ sie wiederholt ihr Gesicht durch Plastische und Ästhetische Chirurgie verändern. Dabei richtet sie sich nach Vorbildern aus der Kunstgeschichte.

 

Frage: Das ist eine extreme Form des Ausdrucks.

 

Susanne Koheil: Ja, das ist es. Ein traditionelles und nach wie vor aktuelles Mittel ist das Selbstportrait. Hier setzt sich ein Künstler wie zum Beispiel mein Mann, der Maler Günter Wintgens immer wieder mit dem eigenen Sein mittels der eigenen äußeren Erscheinungsform auseinander.

 

Frage: Gibt es von Ihnen auch Selbstportraits?

 

Susanne Koheil: Im klassischen Sinne kaum. Meine Form des Selbstportraits ist der Text, oft in Verbindung mit präzisen Vermaßungen desselben. Das ist meine durch die wissenschaftliche Arbeit geprägte Herangehensweise, in der ich Texte und seit Neuestem auch Stillleben in eine andere Form der Ästhetik transformiere. Die wissenschaftliche Herangehensweise an meine künstlerische Arbeit hat jedoch einen spielerischen Aspekt. Ich entscheide selbst, welche Teile eines Textes ich mit Abmessungen versehe. Trotz der Präzisionsarbeit weiß ich also nie, wie eine fertige Arbeit aussehen wird. Das steht erst fest, wenn ich den Arbeitsprozess stoppe und entscheide: bis hierher. Das Entscheidende ist das neue, transformierte Bild, das da entsteht, und die Frage: Ist seine Ästhetik stimmig?


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